Gazprom

Die Auswirkungen eines allfälligen Unglücks in der Arktis wird nicht Gazprom zu spüren bekommen sondern die russischen Steuerzahler – zusammen mit dem Rest der Welt.

"An dem Ort, an dem ich geboren wurde, ist jetzt ein Bohrloch. Jedes Mal, wenn ich vorbeigehe, schmerzt mein Herz. Meine Heimat ist verloren."
Olga Aivasedo, Lehrerin und Mitglied der indigenen Gemeinschaft der Nenzen, autonome Yamalo-Nenzen-Region, Russland

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Der Fall

Gazprom erhielt 2014 den Public Eye People’s Award für ihre Pläne, in der Arktis nach Öl zu bohren. Unabhängige Studien hatten bestätigt, dass noch keine umfassende Methode existiert, um in Meereis ausgelaufenes Öl zu beseitigen. Dennoch setzte Gazprom ihre Bohrpläne fort und weigerte sich sogar, den firmeneigenen Notfallplan im Falle eines Öllecks öffentlich zu machen – und dies, obwohl das gefährdete Gebiet enorm gross ist und ausgelaufenes Öl schwerwiegende Konsequenzen für die indigenen Gemeinschaften, die lokale Tierwelt und die gesamte Arktis hätte.

Nominierende Organisation

Was seither geschah

Gazprom setzt ihren Wettlauf nach Öl in der Arktis fort und missachtet dabei international anerkannte Best Practice Standards für Bohrungen in eisigem Gewässer. Zudem konnte Gazprom bis heute nicht glaubhaft darlegen, ausreichend auf die Konsequenzen eines derartigen Öllecks reagieren zu können. Trotzdem wurde bereits 1 Million Barrel Öl auf der arktischen Bohrplattform gefördert. Die unverantwortlichen Geschäftspraktiken des Unternehmens haben schon zu einer beträchtlichen Anzahl Öllecks bei kontinentalen Bohrungen geführt. Experten schätzen, dass Gazprom für einen Grossteil der 30 Millionen Barrel Öl verantwortlich ist, die jedes Jahr in Russland auslaufen. Diese Menge entspricht sechs Deepwater-Horizon-Katastrophen. Deshalb ist es umso schockierender, dass sich die Firma um weitere Förderlizenzen in der Arktis bemüht.

"Wenn sie (die Ölfirmen) korrekt arbeiten würden, würden sie fragen, wo sie bohren können und wo nicht. Wir sollten ihnen nicht erlauben, ins Meer zu gehen. Wenn sie an Land eine Gegend verschmutzen, ist das betroffene Gebiet kleiner. Aber im Meer können sie alles töten."

− Vladimir Vello, Rentier-Besitzer, Jäger und Mitglied der indigenen Gemeinschaft der Nenzen, autonome Yamalo-Nenzen-Region, Russland

Wieso Gazprom für den Lifetime Award nominiert war

Gazprom, das gegenwärtig grösste Gasunternehmen der Welt, ist ein mächtiger Player, der kaum je Respekt für Mensch und Umwelt zeigt. Das Unternehmen ist mehrheitlich im Besitz des russischen Staates und nutzt seine engen Verbindungen zum Zentrum der Macht sowie seinen grossen Einfluss auf PolitikerInnen, um grosszügige Steuererleichterungen zu erhalten. Für die Konsequenzen eines allfälligen Unglücks in der Arktis wird nicht Gazprom zur Kasse gebeten. Die Auswirkungen bekommen die russischen Steuerzahler zu spüren – zusammen mit dem Rest der Welt.

Zahlen & Fakten

  • Name: Open Joint Stock Company Gazprom
  • Hauptsitz: Moskau, Russland
  • Branche: Öl und Gas
  • Umsatz 2013: 160 Mrd. US-$
  • Reingewinn 2013: 35,5 Mrd. US-$
  • CEO: Alexey Miller
  • Angestellte: 393’000