Glencore

Die weltweite Präsenz und Marktmacht von Glencore stehen in keinem Verhältnis zu den ungenügenden Bemühungen, negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu verhindern.

"Vor kurzem wurde ich auf der Strasse von einem Mann mit einer Waffe bedroht. Als ich mich ihm entgegenstellte, erschrak er und flüchtete mit dem Auto. Am nächsten Tag sah ich dasselbe Auto auf dem Firmenparkplatz von Glencore."
Ricardo Machado von der Gewerkschaft Sintramienergetica und Mitarbeiter bei der Glencore-Tochterfirma Prodeco

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Der Fall

2008 erhielt Glencore den Public Eye Jury Award für ihre unverantwortlichen und intransparenten Geschäftspraktiken in Kolumbien. Glencore hält Anteile an Kohleminen, welche aufgrund der massiven Umweltverschmutzung sowie Gefährdung der Gesundheit der lokalen Bevölkerung scharf kritisiert wurden. Das Unternehmen geriet zudem wegen seiner intransparenten Geschäftspraktiken in Verruf. Des Weiteren wurde dem Rohstoffgiganten vorgeworfen, eine «antigewerkschaftliche» Einstellung zu verfolgen. Berichte über Entlassungen sowie die Einschüchterung und gewaltsame Auflösung von Streiks waren beinahe an der Tagesordnung. Hinzu kamen Vorwürfe der Steuervermeidung und der Ausnutzung der schwachen staatlichen Regulierung.

Nominierende Organisationen

Was seither geschah

Die auf Verschwiegenheit bedachte Firma wurde durch den Börsengang im Jahr 2011 gezwungenermassen etwas transparenter. Glencore hat viel in PR investiert, jedoch schlug sich der Wandel vor allem auf dem Papier nieder und führte kaum zu Veränderungen im Sinne der Bedürfnisse der Betroffenen. Das kolumbianische Umweltministerium hat in der Umgebung der Kohleminen eine so exorbitante Luftverschmutzung festgestellt, dass es 2010 die Umsiedelung von drei Gemeinschaften anordnete. Vier Jahre später müssen die Betroffenen nicht nur mit der Angst und Unsicherheit einer möglichen Umsiedelung leben, sondern sehen weiterhin ihr Recht auf Gesundheit missachtet. Schlimmer noch, Glencore hält an ihrer «antigewerkschaftlichen» Einstellung fest und geht scharf gegen KritikerInnen vor. Der Schweizer NGO Multiwatch droht gar eine Verleumdungsklage aufgrund ihres Buches über die negativen Auswirkungen von Glencores Geschäftstätigkeiten, welches im Mai 2014 publiziert wurde.

"Wir waren sehr glücklich mit diesem Fluss, wir badeten die ganze Zeit darin. Wenn es regnete, holten wir viele Fische aus dem Fluss. Heute ziehst du nur Schlamm raus und der Fluss ist fast ausgetrocknet. Zu allem Übel wird das ganze schmutzige und stinkende Abwasser der Mine in den Fluss geleitet und der Gestank reicht bis ins Dorf."

− Bewohner des kolumbianischen Dorfs El Hatillo

Wieso Glencore für den Lifetime Award nominiert war

Seit dem Zusammenschluss mit Xstrata im Jahr 2013 ist Glencore nicht nur der grösste diversifizierte Rohstoffhändler, sondern auch einer der weltweit grössten Bergbaukonzerne. Die negativen Auswirkungen von Glencores Geschäftstätigkeiten beschränken sich nicht auf Kolumbien. In Argentinien laufen gegen eine Minengesellschaft, die zu 50% im Besitz von Glencore ist, Verfahren wegen Umweltverschmutzung. In der Demokratischen Republik Kongo sieht sich Glencore mit Vorwürfen konfrontiert, von Kinderarbeit zu profitieren. In Sambia hat es Glencore-Tochter Mopani Copper Mines trotz anhaltend hoher Kupferpreise erfolgreich vermieden, Gewinnsteuern zu zahlen und bringt so Land und Leute um die Früchte des Kupferbooms. Glencores weltweite Präsenz und Marktmacht stehen in keinem Verhältnis zu den ungenügenden Bemühungen, negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu verhindern.

Fakten & Zahlen

  • Name: Glencore plc
  • Hauptsitz: Baar, Schweiz
  • Branche: Rohstoffhandel und -abbau
  • Einnahmen 2013: 232 Mrd. US-$
  • Reingewinn 2013: 7,2 Mrd. US-$
  • CEO: Ivan Glasenberg
  • Mitarbeitende: 190’000