Inditex ignoriert Kritik und baut klimaschädliche Transportemissionen weiter aus
Man muss tief ins Kleingedruckte des 514-seitigen Jahresberichts des Giganten der Fast Fashion einsteigen, um die Daten zu den Inditex-Transportemissionen 2024 zu finden. Doch die haben es in sich. Während in anderen Bereichen Emissionsreduktionen gemeldet werden, sind jene, die durch den Transport und die Verteilung der Waren entstehen, im Jahr 2024 um satte 10 % gestiegen und belaufen sich neu auf 2,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (im Vergleich zu 2,3 Mio. Tonnen im Vorjahr, bzw. 2,0 Mio. nach der alten Inditex-Methodik). Im Schnitt machen Transport und Verteilung jetzt also rund 20% des Klimafussabdrucks von Zara-Kleidung aus.
Verschleierung statt Transparenz
Anstatt transparent mit dieser Entwicklung umzugehen, versucht Inditex, die enormen Klimaauswirkungen seiner Transportlogistik, insbesondere die krasse Abhängigkeit von Luftfracht, unter den Teppich zu kehren. Im gesamten Jahresbericht wird Luftfracht lediglich einmal erwähnt – im Zusammenhang mit einer Vereinbarung über die Nutzung von nachhaltigem Flugkraftstoff. Inditex gibt an, in seinen Frachtflügen ab Madrid einen Anteil von 5 % dieses Treibstoffs beimischen zu wollen. Angesichts des Ausmasses des Problems ist dies jedoch kaum mehr als ein Tropfen auf dem heissen Stein.
Eine isolierte und winzige Massnahme als Lösung zu präsentieren, während man das tatsächliche Ausmass und die Emissionen der Luftfracht verschleiert – das ist Greenwashing pur.
Inditex hat im aktuellen Jahresbericht auch die Methodik zur Berechnung der Treibhausgasemissionen geändert. Die gesamten ausgewiesenen Emissionen sind dadurch rechnerisch gesunken. Umso beunruhigender ist es, dass die Emissionen aus dem Transport und der Verteilung trotzdem deutlich gestiegen sind.
Daten aus Zaragoza und Bangladesch zeigen den Flugmodeboom von Inditex
Die Frachtstatistik des Flughafens Zaragoza, dem zentralen Umschlagplatz für Inditex, zeigt einen deutlichen Anstieg des Frachtvolumens, von dem der Grossteil auf den Modekonzern zurückgeht. Vor allem die Transporte von den asiatischen Fabriken zu den Logistikzentren in Europa haben zugenommen. Und unsere Auswertung der detaillierten Zolldaten aus Bangladesch, über die jüngst eine Video-Dokumentation von Context berichtete, bestätigen diesen Trend.
Vergleich mit H&M zeigt: Es geht auch anders
Dass das Geschäftsmodell der Fast Fashion nicht zwingend auf Luftfracht angewiesen ist, zeigt ein Blick auf den Konkurrenten H&M. Der Anteil der Luftfracht liegt hier nur noch bei 1%. Und die Emissionen aus Transport und Verteilung beliefen sich im Jahr 2023 auf 448 Kilotonnen CO2-Äquivalente und machten nur 5,2 % der gesamten Emissionen aus.
Doch Inditex lässt sich davon nicht beeindrucken. Statt endlich jeden Hebel zur Minderung der Klimakrise zu nutzen, hofft das Unternehmen lieber auf technische Wunderlösungen in der Zukunft. Gegenüber Bloomberg erklärte es, die Reduktionen verliefen eben nicht synchron in den verschiedenen Gliedern der Wertschöpfungskette, z.B. aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit neuer technologischer Lösungen wie alternative Flugtreibstoffe.
Und zugleich versucht Inditex erneut, das Problem mit billigen Tricks kleinzureden: "Transporte per Schiff und auf der Strasse sind bei weitem die wichtigsten Methoden, um unsere Kleidungsstücke zu versenden", beantwortete das Unternehmen Fragen von Bloomberg. Kann sein, wenn man nur auf die Strecke schaut. Schaut man jedoch auf das relevante, also die Emissionen, sieht es ganz anders aus: Pro Streckenkilometer sind diese bei der Luftfracht ein Vielfaches höher. Wie stark das zu Buche schlägt, zeigen die Zahlen von H&M: Das verbliebene eine Prozent Luftfracht verursacht dort 18% der Transportemissionen. Würde Inditex eine ähnliche Transparenz an den Tag legen statt Sand in die Augen zu streuen, könnten alle sehen, dass Luftfracht mit Abstand für die meisten Transportemissionen von Zara und Co. verantwortlich ist.
Inditex muss Verantwortung übernehmen
Die neusten Zahlen sind alarmierend. Inditex setzt weiterhin auf ein Logistikmodell, das Geschwindigkeit zur obersten Priorität erklärt, als gäbe es keine Klimakrise. Diese bewusste und verantwortungslose Entscheidung untergräbt die Glaubwürdigkeit der Klimaversprechen des Konzerns. Wir wiederholen unsere Forderung an Inditex und andere Modekonzerne: Stoppt endlich die Flugmode. Kleidung verdirbt nicht, wenn sie ein paar Wochen länger unterwegs ist.